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Herausgeber der PM
Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit Helmholtz-Zentrum Potsdam
Berliner Straße 130
14467 Potsdam |
Pressekontakt
person Bianca Schröder
call +49 331-28822-341 language https://www.rifs-potsdam.de/de/presse |
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Verlorene Fanggeräte der Fischerei sind ein wachsendes Problem für die Meere, doch Gegenmaßnahmen greifen kaum. Das zeigt eine Studie von Forschenden um Ben Boteler von der Universität Wageningen. Demnach gehen jährlich rund zwei Prozent der Fanggeräte verloren und treiben oft jahrelang als sogenannte Geisternetze im Meer, wo sie Fische, Seevögel und Meeressäuger töten.
Für die Untersuchung wurden Akteure aus Politik, Wirtschaft und Forschung befragt, unter anderem zur Zusammenarbeit in der Ostsee über die Helsinki-Kommission. Diese koordiniert Maßnahmen, kann sie jedoch nicht durchsetzen. „Es findet zwar Zusammenarbeit statt, doch diese ist fragmentiert“, sagt Boteler. Unklare Zuständigkeiten und unterschiedliche Interessen behinderten wirksame Lösungen. Auch Hersteller von Fanggeräten seien bislang zu wenig eingebunden. Zudem erschweren wirtschaftlicher Druck in der Fischerei sowie fehlende Strukturen für Rücknahme und Recycling die Umsetzung bestehender EU-Vorgaben. Die Forschenden fordern daher mehr Kooperation, bessere Datenerhebung und konkrete Projekte zur Bergung verlorener Netze.
Schätzungen zufolge gehen jedes Jahr fast zwei Prozent aller Fanggeräte weltweit verloren, was erheblich zur Plastikverschmutzung der Meere beiträgt. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Fischerei für etwa 18 Prozent der Plastikverschmutzung in den Ozeanen verantwortlich ist. Die im Meer schwimmende Ausrüstung „fischt“ oft noch jahrelang weiter: Fische, Seevögel und Meeressäuger verfangen sich darin und verhungern oder ertrinken.
Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt, bei seiner Bekämpfung geht es jedoch nur schleppend voran. In ihrer Studie legen Forschende um Ben Boteler (Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit/Universität Wageningen) die Gründe dafür sowie mögliche Lösungen dar. Grundlage ihrer Arbeit sind Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik, Industrie, Nichtregierungsorganisationen und Forschung. Im Fokus des Interesses steht die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren im Rahmen der Helsinki-Kommission (HELCOM), der zwischenstaatlichen Organisation der Ostseeanrainerstaaten und der EU. Diese koordiniert eine regionale politische Agenda, hat aber keine rechtliche Befugnis zur Durchsetzung von Maßnahmen.
Das Ergebnis, so Boteler: „Es findet zwar Zusammenarbeit statt, doch diese ist fragmentiert und wird durch Machtungleichgewichte zwischen Akteuren auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Schwerpunkten behindert – insbesondere zwischen Akteuren mit umweltpolitischen und solchen mit sektoralen Mandaten.“
Die Richtlinien der Europäischen Union, darunter die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie und die Richtlinie über Einwegkunststoffe, bilden das rechtliche Rückgrat für die Bekämpfung des Meeresmülls und sehen Instrumente wie die erweiterte Herstellerverantwortung für Fanggeräte vor. Dieses System zieht Hersteller für die Umweltauswirkungen ihrer Produkte während des gesamten Produktlebenszyklus zur Verantwortung. Jedoch ist die Umsetzung der EU-Regeln schwierig, weil verschiedene Politikbereiche und nationale Zuständigkeiten ineinandergreifen, wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen und praktische Strukturen für Sammlung, Rücknahme und Recycling von Fanggeräten teilweise noch fehlen.
„Da die HELCOM nur einen Auftrag zur Koordination von Maßnahmen hat, verlässt sie sich darauf, dass die Mitgliedsstaaten und die EU-Institutionen die Maßnahmen vorantreiben. Aber die unzureichende und unklare Rollenverteilung hat ein Machtvakuum zur Folge: Die Verantwortung ist zu diffus verteilt, als dass ein Akteur die Führung übernehmen und eine groß angelegte Bergung von verlorenen Fanggeräten auf den Weg bringen würde“, sagt Boteler. Hinzu komme, dass die Hauptakteure der Branche – insbesondere die Hersteller und Importeure von Fischereigeräten – nicht hinreichend an der Umsetzung vereinbarter Maßnahmen beteiligt sind. Dies erschwere die Entwicklung gemeinsamer Lösungen, wie etwa Pfandrückgabesysteme oder verbesserte Kennzeichnungssysteme für Fanggeräte.
Die Studie geht auch auf die komplizierte Situation der Fischerinnen und Fischer ein. Da Fanggeräte teuer sind, haben sie starke wirtschaftliche Anreize, sie nicht zu verlieren. Dennoch passiert dies: Stürme, starke Strömungen oder Eis können Netze beschädigen oder von ihrer Verankerung lösen. Auch Konflikte zwischen unterschiedlichen Fischereimethoden oder Zusammenstöße mit Schiffen führen oft zum Verlust von Ausrüstung. In vielen Fällen ist die Bergung aufwendig, gefährlich und wirtschaftlich nicht rentabel, sodass die Geräte dauerhaft im Meer verbleiben.
Einige Akteure aus Politik und Wirtschaft befürchten, dass Fischer aus Angst vor künftigen Vorschriften verlorene Fanggeräte nicht oder nur unvollständig melden. „Dieses Misstrauen ist ein Problem. Denn derzeit ist die Datenlage zum Ausmaß und den Auswirkungen von Geisterausrüstung unzureichend. Um das gesamte Ausmaß der Herausforderung zu verstehen, müssen alle Interessengruppen Vertrauen aufbauen und gemeinsam einen Aktionsplan entwickeln“, so Boteler. Umweltorganisationen haben versucht, Lücken zu schließen, indem sie verlorene Fanggeräte kartiert und die Öffentlichkeit sensibilisiert haben. Doch ohne eine stärkere Koordinierung und klarere Mandate würden die Fortschritte wahrscheinlich nur schrittweise erzielt, so die Forschenden.
Die Studie erwähnt auch die verbreitete Befürchtung, dass die Fischereiindustrie in der Ostsee aufgrund von reduzierten Beständen und strengeren Quoten bereits im Niedergang begriffen ist. Diese Wahrnehmung, so argumentieren die Autorinnen und Autoren, kann dazu führen, dass politische Entscheidungsträger zögern, dem Fischereisektor zusätzliche Kosten aufzuerlegen, selbst wenn Umweltgruppen auf stärkere Maßnahmen drängen.
Die Forschenden empfehlen, gemeinsame Arbeitsprogramme zwischen Fischerei-, Abfall- und Umweltbehörden zu etablieren, die Zusammenarbeit mit den Herstellern von Fanggeräten zu verstärken, regionale Plattformen für den Datenaustausch zu verbessern und freiwillige Richtlinien oder Pilotprojekte für die Rückholung von Fanggeräten zu entwickeln. Während die Länder weiterhin über ein globales Abkommen zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung verhandeln, bietet der Fall der Ostsee eine warnende Lektion: Selbst dort, wo das Bewusstsein hoch und die Institutionen vorhanden sind, bleibt die Abstimmung der Interessen über Sektoren und Regierungsebenen hinweg eine gewaltige Herausforderung.
