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Wenn Bezahlen wehtut

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Studie: Bezahlen löst emotionalen Schmerz aus

In Deutschland werden erstmals mehr Einkäufe bargeldlos als mit Bargeld bezahlt. Vor diesem Hintergrund zeigt eine neue Studie unter Beteiligung des Universitätsklinikums Tübingen, dass der sogenannte „Pain of Paying“ vor allem ein unangenehmes emotionales Erlebnis ist und finanzielle Entscheidungen beeinflusst. Die Ergebnisse wurden im Journal of Economic Behavior and Organization veröffentlicht. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass finanzielle Entscheidungen nicht allein von Preisen, Budgets oder rationalen Kosten-Nutzen-Abwägungen abhängen. Entscheidend ist auch, wie sich das Bezahlen anfühlt“, sagt Dr. Axel Lindner von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen.

An der Studie waren zudem die Queen’s University in Kanada, die Boston University und die Wirtschaftshochschule INSEAD beteiligt. In Experimenten mit Hirnscans und Placebos stellten die Forschenden fest, dass beim Bezahlen vor allem Hirnnetzwerke aktiv werden, die mit der emotionalen Verarbeitung von Schmerz verbunden sind. Körperliche Schmerznetzwerke spielten dagegen eine untergeordnete Rolle. Nach Einschätzung des Forschungsteams könnte der beim Bezahlen empfundene emotionale „Warnreiz“ bei digitalen Zahlungsformen wie Karte, Smartphone oder Abo-Modellen abgeschwächt werden. Das könne den Bezahlvorgang angenehmer machen, zugleich aber die Hemmschwelle für Ausgaben senken.


In Deutschland wird erstmals häufiger bargeldlos als mit Bargeld bezahlt: 55 Prozent der erfassten Einkäufe wurden 2025 digital bezahlt. Eine neue Studie unter Beteiligung des Universitätsklinikums Tübingen zeigt nun, warum der Moment des Bezahlens psychologisch bedeutsam ist: Der sogenannte „Pain of Paying“ scheint weniger körperlicher Schmerz zu sein als ein unangenehmes emotionales Erlebnis, das finanzielle Entscheidungen beeinflusst. Das legt nahe, dass Zahlungsformen, bei denen der Bezahlvorgang weniger unmittelbar erlebt wird, auch als weniger „emotional schmerzhaft“ empfunden werden könnten. Die Studie erschien im Journal of Economic Behavior and Organization.

Karte, Smartphone, Abo-Modell oder automatische Abbuchung: Bezahlen wird immer einfacher – und oft nahezu unsichtbar. Nach aktuellen Zahlen der Deutschen Bundesbank wurden im Jahr 2025 in Deutschland erstmals mehr Einkäufe bargeldlos als mit Bargeld bezahlt. Diese Entwicklung macht eine Frage besonders relevant: Was passiert, wenn der unangenehme Moment des Bezahlens immer weniger spürbar wird?

Die gemeinsame Studie der Queen’s University (Kanada), Boston University (USA) und der Wirtschaftshochschule INSEAD (Frankreich) hat mit Beteiligung des Universitätsklinikums Tübingen Hinweise darauf geliefert, dass der sogenannte „Pain of Paying“, der „Schmerz des Bezahlens“, nicht nur eine sprachliche Redewendung ist. Die Forschenden untersuchten, was im Gehirn und im Entscheidungsverhalten passiert, wenn Menschen Geld ausgeben. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Bezahlen tatsächlich schmerzt – allerdings nicht wie ein körperlicher Schmerz, sondern eher wie ein unangenehmes emotionales Erlebnis.

In einem Experiment unter Einsatz von funktioneller Magnetresonanztomographie analysierte das Forschungsteam Hirnaktivität während realer Kaufentscheidungen. „Beim Bezahlen wurden vor allem Netzwerke angesprochen, die mit der emotionalen Verarbeitung von Schmerz zusammenhängen. Körperliche Schmerznetzwerke standen hingegen nicht im Vordergrund“, erklärt Prof. Dr. Hilke Plassmann von der Wirtschaftshochschule INSEAD. In einem weiteren Experiment am Universitätsklinikum Tübingen erhielten Teilnehmende ein Placebo, das ihnen als Arzneimittel beschrieben wurde, das entweder emotionale oder körperliche Schmerzen linderte oder gar verstärkte. Anschließend sollten sie angeben, wie viel sie für einen Einkaufsgutschein zu zahlen bereit wären. Nur Placebos, die angeblich emotionalen Schmerz beeinflussten, veränderten die Zahlungsbereitschaft. Das spricht dafür, dass der „Schmerz des Bezahlens“ vor allem emotionaler Natur ist.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass finanzielle Entscheidungen nicht allein von Preisen, Budgets oder rationalen Kosten-Nutzen-Abwägungen abhängen. Entscheidend ist auch, wie sich das Bezahlen anfühlt“, sagt Dr. Axel Lindner von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen. „Der unangenehme Moment des Bezahlens könnte ein emotionales Warnsignal sein, das Menschen dabei hilft, Ausgaben bewusster zu tätigen“, ergänzt Prof. Dr. Nina Mazar von der Boston University, USA.

Gerade bei digitalen Zahlungsformen könne dieses Signal abgeschwächt werden. Wer mit Smartphone, Kreditkarte oder über ein Abo bezahlt, erlebt den Verlust des Geldes oft weniger unmittelbar als bei einer Barzahlung. Das kann den Bezahlvorgang angenehmer machen, aber möglicherweise auch die Hemmschwelle zum Geldausgeben senken.

Die Ergebnisse sind relevant für Verbraucherbildung, Finanz-Apps und die Gestaltung transparenter Zahlungs- und Abo-Modelle. Wenn Bezahlen emotional weniger spürbar wird, können Menschen zwar komfortabler einkaufen, zugleich aber leichter den Überblick über Ausgaben verlieren. Die Studie liefert damit wichtige Hinweise für einen bewussteren Umgang mit digitalen Zahlungsmitteln.

Die Forschenden betonen, dass weitere Studien notwendig sind, um die emotionalen Mechanismen des Bezahlens noch genauer zu verstehen. Schon jetzt zeigen die Ergebnisse jedoch: Der „Schmerz des Bezahlens“ ist offenbar ein realer Bestandteil finanzieller Entscheidungen und könnte helfen zu erklären, warum manche Zahlungsarten stärker zum Konsum verleiten als andere.

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