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Herausgeber der PM
Max-Planck-Institut für demografische Forschung
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Pressekontakt
person Silvia Leek
call +49 381 2081-143 language https://www.demogr.mpg.de/de/news_events_6123/presse_6175/ |
Link zur Original-PM
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Weltweit liegt die Gesamtfertilitätsrate von Männern inzwischen unter der von Frauen. Das zeigt eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen und der Universität Oslo. Hauptgrund ist demnach der steigende Anteil von Männern an der Bevölkerung im Verhältnis zu Frauen.
Die Forschenden um Henrik-Alexander Schubert analysierten Daten der „UN World Population Prospects“ und schätzten die männliche Fertilität mit statistischen Methoden. „Wir beobachten einen Wechsel hin zu einer höheren Gesamtfertilitätsrate bei Frauen“, erklärt Schubert. Dahinter stehen langfristige Entwicklungen wie sinkende Sterblichkeit, geringere Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie in einigen Ländern geschlechtsselektive Abtreibungen.
Der Wandel verlief regional unterschiedlich: In Nordamerika und Europa begann er bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren, in anderen Weltregionen deutlich später. In Subsahara-Afrika dürfte die Geburtenrate von Männern dagegen noch lange höher bleiben.
Die Forschenden warnen vor Folgen wachsender Kinderlosigkeit bei Männern, etwa für Gesundheit und soziale Absicherung. Es brauche politische Lösungen, etwa bessere Bildung und Arbeitschancen sowie Unterstützung für kinderlose Menschen.
Bis auf wenige Ausnahmen sinken die Geburtenraten weltweit. Was bedeutet das? Die Fertilitätsrate eines Jahres beschreibt, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich bekäme, wenn die Geburtenraten dieses Jahres über ihr gesamtes gebärfähiges Alter (15 bis 49 Jahre) bestehen blieben. Frauen bekommen also weniger Kinder. Doch wie viele Kinder haben Männer im Laufe ihres Lebens? Wie unterscheidet sich die Geburtenrate von Männern von der von Frauen? Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für demografische Forschung, der United Nations Population Division, sowie der Universität Oslo haben untersucht, wie sich geschlechtsspezifische Unterschiede in der Fertilität, zum Beispiel bei der Gesamtfertilitätsrate, weltweit im Laufe der Zeit entwickelt haben und entwickeln werden.
Henrik-Alexander Schubert, Thomas Spoorenberg, Christian Dudel und Vegard Skirbekk haben mithilfe von Daten der „UN World Population Prospects” und indirekten demografisch-statistischen Methoden die männliche Fertilität geschätzt und den Einfluss von Ungleichgewichten in der Bevölkerung auf die männliche Fertilität bewertet.
„Das wichtigste Ergebnis ist, dass wir einen Wechsel von einer höheren Gesamtfertilitätsrate bei Männern zu einer höheren Gesamtfertilitätsrate bei Frauen beobachten, der weltweit im Jahr 2024 eintritt. Dieser Wechsel wird durch eine Erhöhung des Bevölkerungsanteils der Männer relativ zu Frauen getrieben”, erklärt Schubert, Wissenschaftler am MPIDR. Den steigenden Anteil von Männern an der Gesamtbevölkerung führen Schubert und seine Kollegen auf langfristige Trends wie die sinkende Sterblichkeit, die sich verringernden Unterschiede bei der Sterblichkeit von Frauen und Männern sowie den Zusammenhang mit geschlechtsselektiven Abtreibungen in einigen Ländern zurück, welche den natürlichen Geburtenüberschuss von 105 Jungen zu 100 Mädchen verstärken und verstetigen.
Der Wechsel von einer höheren Gesamtfertilitätsrate für Männer zu einer höheren Gesamtfertilitätsrate für Frauen hat weltweit zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattgefunden, wobei der Zeitpunkt stark vom Fortschritt des demografischen Übergangs getrieben wurde. Nordamerika und Europa erlebten diesen Wechsel zuerst in den 1960ern und 1970ern. Ozeanien, Südamerika und Asien haben diesen Übergang dagegen erst vor Kurzem durchlaufen.In Subsahara-Afrika wird bis mindestens 2100 wahrscheinlich die Geburtenrate für Männer höher bleiben als die für Frauen, da es hier aktuell einen Stillstand des Fertilitätsrückgangs gibt und die Sterblichkeit weiterhin hoch ist.
Die Unterschiede in der Fertilität bei Männern und Frauen drehen sich um und nehmen infolge der Erhöhung des Anteils von Männern in der Bevölkerung zu. Diese Bevölkerungsveränderungen stellen die Gesellschaft vor Herausforderungen, bringen aber auch Chancen mit sich. Schubert sagt dazu: „Die Herausforderungen betreffen vor allem Männer, die kinderlos bleiben – ein Status, der oft mit schlechterer Gesundheit und wachsender Abhängigkeit von professioneller Pflege im Alter verbunden ist. Um geschlechtsspezifische Unterschiede in der Fertilität und deren Folgen wie die Kinderlosigkeit bei Männern entgegenzuwirken, braucht es dringend politische Lösungen“, so Schubert. Die Wissenschaftler schlagen drei konkrete Maßnahmen vor:
• Stärkung der Stellung von Frauen in der Gesellschaft, um unter anderem geschlechtsselektive Abtreibungen zu verhindern.
• Verbesserung der Bildung und Schaffung von Arbeitsplätzen, um kinderlosen und alleinstehenden Männern Chancen auf eine berufliche Laufbahn zu bieten und ihre Anfälligkeit für organisierte Kriminalität zu verringern.
• Bereitstellung technischer und institutioneller Lösungen für Singles und kinderlose Personen wie Freundschaftskreise und Legalisierung künstlicher Reproduktionstechnologien.
„Werden die Herausforderungen dieser Männer nicht berücksichtigt, besteht die Gefahr einer kulturellen Gegenreaktion gegen die Gleichstellung der Geschlechter und gesellschaftlicher Konflikte“, warnt das Forscherteam.
