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Herausgeber der PM
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Resselgasse 3
1040 Wien |
Pressekontakt
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Die als Magdalenenflut bekannte Hochwasserkatastrophe von 1342 war nach einer Studie unter Leitung der TU Wien kein einzelnes Extremereignis. Vielmehr gehörte sie zu einer fast zwei Jahre dauernden Serie von 16 Hochwassern zwischen 1341 und 1343, die weite Teile Europas trafen. Die Erkenntnisse sind auch für den heutigen Hochwasserschutz relevant, weil mehrere schwere Überschwemmungen in kurzer Folge auftreten können.
Für die Untersuchung wertete ein europäisches Forschungsteam mehr als tausend Einträge aus zeitgenössischen Quellen aus und verband sie mit modernen hydrologischen Erkenntnissen. „Viele tausend Menschen starben in den Fluten, dazu kommen zahlreiche Todesfälle durch Hunger und Krankheiten“, sagt Andrea Kiss, Historikerin und Geographin an der TU Wien. Handelswege wurden unterbrochen und Infrastruktur zerstört, darunter die damalige Steinbrücke in Prag.
Als mögliche Ursachen der ungewöhnlichen Häufung nennen die Forschenden unter anderem zahlreiche Vulkanausbrüche um 1340 und 1341, einen Rückgang des arktischen Meereises und geringe Sonnenaktivität. Das Zusammenspiel könnte Tiefdruckgebiete und langanhaltende Niederschläge begünstigt haben. Für die Risikoplanung folge daraus, Hochwasser nicht nur als voneinander unabhängige Einzelereignisse zu betrachten.
Als „Magdalenenflut“ ging sie in die Geschichte ein – eine gewaltige Hochwasserkatastrophe, die im Jahr 1342 weite Teile Europas erfasste. Nun wurden in aufwändiger, jahrelanger Arbeit historische Quellen analysiert und mit modernem hydrologischem Wissen verknüpft, um ein verlässliches Bild dieser Naturkatastrophe zu erhalten.
Dabei stieß man auf Überraschungen: Die große Flut von 1342 war kein Einzelereignis, sondern ein besonders verheerender Teil einer fast zwei Jahre andauernden Serie von 16 Hochwasserereignissen. Daraus kann man auch für die Zukunft eine Lehre ziehen: Hochwasserschutz darf nicht nur einzelne Extremereignisse betrachten. Man muss auch damit rechnen, dass mehrere große Überschwemmungen knapp nacheinander auftreten.
Mehr als tausend Einträge aus zeitgenössischen Quellen wurden analysiert, um die Auswirkungen der Hochwasserkatastrophen dieser Zeit zu studieren. Geleitet wurde das Projekt an der TU Wien, beteiligt waren Universitäten aus ganz Europa. Die historischen Berichte sind dramatisch: „Viele tausend Menschen starben in den Fluten, dazu kommen zahlreiche Todesfälle durch Hunger und Krankheiten“, sagt Andrea Kiss, Historikerin/Mediävistin und Geographin an der TU Wien, Erstautorin der Studie.
Die Wirtschaft des ganzen Kontinents wurde beeinträchtigt: Handelswege wurden unterbrochen, wichtige Infrastruktur wurde zerstört – beispielsweise die Steinbrücke in Prag, die vor dem Bau der heute berühmten Karlsbrücke über die Moldau führte.
„Diese historischen Daten zeigen: Es war nicht bloß ein Hochwasserereignis, sondern eine ganze Serie von Ereignissen“, sagt Günter Blöschl. Wo historische Aufzeichnungen lückenhaft sind, wurden moderne Hochwasser mit ähnlichen Bedingungen ausgewählt, um Analogieschlüsse zu ziehen. So ergab sich Schritt für Schritt ein umfassendes Bild der Hochwassergeschichte in Raum und Zeit. „Wir können Monat für Monat rekonstruieren, wann welche Gegenden Europas betroffen waren“, sagt Andrea Kiss. „So sieht man ganz klar: Wie eine Perlenkette zieht sich eine Serie von Hochwasserereignissen durch die Jahre 1341 bis 1343. Nicht alle gleich verheerend, nicht alle am selben Ort, aber doch alle in einem klar erkennbaren Zusammenhang.“
1342 war in den letzten 700 Jahren das Jahr mit der größten Zahl extremer Hochwasserereignisse, und das Jahr 1343 liegt nur knapp dahinter, auf Platz drei. Diese Häufung war kein Zufall: Das Team fand mehrere mögliche Faktoren, die diese außergewöhnliche Hochwasserserie begünstigt haben könnten. Um 1340 und 1341 ereigneten sich ungewöhnlich viele Vulkanausbrüche, darunter der Hekla-Ausbruch auf Island. Schwefelhaltige Aerosole in der Atmosphäre können zu einer Abkühlung führen und großräumige Zirkulationsmuster verändern.
Gleichzeitig war das arktische Meereis bereits seit Mitte der 1330er-Jahre deutlich zurückgegangen, während die Sonnenaktivität in den 1330ern und 1340ern noch relativ gering war. „Das Zusammenspiel dieser Faktoren könnte intensive Tiefdruckgebiete, langanhaltende Niederschläge und damit die ungewöhnliche Flutserie begünstigt haben“, sagt Andrea Kiss. „Für uns heute ist das äußerst interessant: Wir können aus Ereignissen, die fast sieben Jahrhunderte zurückliegen, wichtige Lehren über das Zusammenspiel von Klima und Niederschlag ziehen“, sagt Günter Blöschl.
Außerdem bestätigt die Magdalenenflut eine Erkenntnis, zu der das Team der TU Wien schon in anderem Zusammenhang gelangt war: Hochwasserereignisse sind nicht statistisch unabhängig voneinander. Sie treten nicht einfach zufällig auf wie Lottogewinne, sie können statistisch und kausal miteinander verbunden sein. Das bedeutet: Auch bei der modernen Risikoplanung muss man mitbedenken, dass Hochwasserkatastrophen nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern immer wieder auch in rascher Abfolge gebündelt auftreten können.
